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Schlagwort: Ascheberg

Aktueller Stand der Planung in Ascheberg

Aktueller Stand der Planung in Ascheberg

Aktueller Stand der Planungen

Die Planung der Windvorrangzonen und damit des neuen, überarbeiteten 74. Flächennutzungsplans ist durch die Gemeinde abgeschlossen worden. Am 14.09.2016 entschied der Rat der Gemeinde Ascheberg – unter enormem Zeit- und persönlichem Druck sowie auf Basis einer fragwürdigen Faktenlage – für diesen Plan und damit für den Ausbau von Windkraftanlagen unbegrenzter Höhe. Aktuell ist der Flächennutzungsplan in Überprüfung durch die Bezirksregierung.

Der gesamte Planungsprozess wurde vom Investor, dem Bürgermeister Dr. Bert Risthaus und der Gemeindeverwaltung so gut wie möglich im Verborgenen betrieben. Anwohner der Windvorrangzonen und die übrigen Einwohner der Gemeinde wurden hierbei, so weit es der demokratische Prozess zuließ – nicht involviert. Erst im August 2016 stellte sich heraus, was wirklich gebaut werden sollte.

Aktuelle Ergänzung: Am 03.11.2016 wurde auch für die Öffentlichkeit bekannt, was vorher schon gerüchteweise in der Gemeinde kursierte: Die Deutsche Flugsicherung hat der Genehmigung der geplanten Windkraftanlagen widersprochen, da diese sich im Schutzbereich des Funkdrehfeuers in Rinkerode befinden und hier zu erhöhten Abweichungen des Richtungssignals führen würden. Weitere Informationen zur Situation.

Was soll in Ascheberg gebaut werden?

4 Anlagen zwischen 200 und 230 Metern in der Vorrangzone Forsthövel (nördliche Bauernschaft von Ascheberg).

Größenvergleich von Windenergieanlagen, wie in Ascheberg geplant.
Größenvergleich von Windenergieanlagen, wie in Ascheberg geplant.

Die kaum vorstellbare Höhe dieser Anlagen war für die meisten Gemeindebewohner ein Schock – industrielle Windkraftanlagen höher als der Dortmunder Fernsehtum! Konkret handelt es sich lt. Bauantrag um Windkraftanlagen Enercon E-141 EP4. Die Investitionskosten belaufen sich auf ca. 16,5 Mio. €.

Weitere Anlagen (bis zu 15 dieser Größenordnung sind möglich) in den weiteren Vorrangzonen können jederzeit und ohne Höhenbegrenzung gebaut werden. Die Rahmenbedingungen hierfür wurden geschaffen.

Bisher im Umkreis von Ascheberg gebaute Anlagen (z.B. in Sendenhorst, Bockum-Hövel etc.) erreichen mit ihren Höhen von 80 – 120 Meter nicht einmal die Hälfte der Größe dieser Windkraftriesen, die zu den aktuell größten verfügbaren Onshore-Anlagen der Welt gehören. Jedes Rotorblatt dieser gigantischen Anlagen hat eine Länge von 70 Metern; die Spannweite beträgt 141 Meter – das sind 8 lange LKW hintereinander oder die Spannweite von 2 Jumbojets!

Zum maßstabsgerechten Vergleich der Höhe: Stellen Sie sich einen 2,50m hohen Wohnraum vor – dann würde die Höhe Ihres eigenen Hauses oberhalb der Fußleisten enden, der Kirchturm von St. Benedikt in Herbern würde deutlich unterhalb der Tischplatte enden, die geplanten Anlagen würde aber bis zur Decke reichen.

Was bedeutet das für die Einwohner der Gemeinde?

Die geplanten Anlagen werden massiv und wie kein anderes Gebäude im Umkreis in das Landschaftsbild, Fauna und Flora eingreifen. Insbesondere Anwohner sind von den geringen, gesetzlich nicht näher definierten Abständen, von ca. 450 bis 600 Meter betroffen. Sie erhalten einen exponierten Platz mit hörbarem und tieffrequentem Schall sowie gesundheitlich für Menschen und Tiere bedenklichem Infraschall. Zusätzlich noch mit Schattenwurf der Flügel und Belästigung durch Flugsicherungsbeleuchtung. Gehen Sie nicht davon aus, dass man in dieser Umgebung seine Freizeit draußen verbringen möchte.

Ebenso gibt es keinerlei Ausgleich für Wertverluste von Immobilien und Flächen im betroffenen Gemeindegebiet.

Erhöhte Lärmemissionen sind ungefähr bis zu 1000 Metern anzunehmen, tieffrequenter und Infraschall bis zu 10km Umkreis, Schattenwurf bis ca. 1800Meter Umkreis. Sichtbar werden die Anlagen wohl viele Kilometer sein, da sie bei weitem die höchste Bebauung und Geländeform darstellen.

Warum die Hektik – warum keine Diskussion?

Dieses hat mehrere Gründe: Die Windkraftanlagen in Forsthövel sind ein Projekt der Gemeinde Ascheberg, in das sie viel Zeit und auch viel Steuergeld investiert hat. Es ist politisch gewollt, dass das Projekt verwirklicht wird und der Investor seine Anlagen errichten kann, von denen zwei aktuell als Bürgerwindanlagen geplant sind. Es scheint eine enge Verwebung mit dem Investor zu geben, der auch mit Gutachten zur Änderung des Flächennutzungsplan beigetragen hat.

Der zweite Grund ist die Änderung des Erneuerbare Energiengesetz (EEG), welches zum  01.01.2017 seinen Ausschüttung-/Bewilligungsmodus ändert. Ab diesem Datum wird es für Investoren, gerade in windschwächeren Gebieten, deutlich schwerer Rentabilität und damit auch Finanzierung zu erhalten.

Gegen die Bauanträge („Durchführung des Bundes-Immissionsschutzgesetz“) der Windkraftanlagen konnte bis zum 20.10.2016 Einspruch bei der Kreisverwaltung in Coesfeld eingelegt werden.

Dokumente und Informationenen

Den Bauantrag selber können Sie hier einsehen (Achtung: 140MB): Bauantrag Errichtung 4 Anlagen in Ascheberg

Standorte projektierte Winkraftanlagen in Ascheberg-Herbern (PDF-Datei, 3,4MB)

 

 

Flugsicherheit VOR Windkraft

Flugsicherheit VOR Windkraft

Die in der Bauernschaft Forsthövel (Gemeinde Ascheberg / Ortsteil Herbern) geplanten Windkraftanlagen haben in den vergangenen Tagen einen starken Dämpfer erhalten. Im Rahmen des Genehmigungsprozesses für die Anlagen mit industriellem Ausmaß, war es auch notwendig die Stellungnahme der Flugsicherung einzuholen. Wie jetzt auch offiziell durch die Gemeindevertretung Ascheberg bekannt wurde, sind die 4 Anlagen durch Negativbeurteilung der Flugsicherung nicht genehmigungsfähig.

Welche Rolle spielt die Flugsicherung?

Die halbstaatliche Flugsicherung ist Teil der Luftverkehrsverwaltung des Bundes. Zu ihren Aufgaben gehört u.a. die Flugverkehrskontrolle des Luftverkehrs, der Betrieb von Einrichtungen der Luftfahrtsicherung, Erstellung und Veröffentlichung von Luftfahrtkarten und eben auch die Überwachung von Hindernissen in Bauschutzbereichen sowie in Höhen von über 100m über Grund. Da die geplanten Windriesen eine Höhe von 230 Metern erreichen sollen, wurde eine Stellungnahme notwendig. Ein noch gewichtigerer Punkt ist aber der Abstand zum VOR Hamm (51° 51′ 25,00″ N, 007° 42′ 30,00″ | DVOR/DME) zwischen Rinkerode und Albersloh, in dessen Schutzbereich die Anlagen errichtet werden sollen (ca. 9 bis 10km Luftlinie).

Was ist ein (D)VOR?

Quelle: Wikipedia
Quelle: Wikipedia

VOR ist die englische Abkürzung für Drehfunkfeuer („VHF Omnidirectional Radio Range“). Es ist ein UKW-Sender, der ein ungerichtetes Bezugssignal und ein gerichtetes Umlaufsignal mit 30Hz aussendet. Aus der Differenz des Empfangs des ungerichteten und des gerichteten Signals kann einfach berechnet werden, in welchem Winkel zum Funkfeuer sich ein Luftfahrzeug aktuell befindet. Jedes Luftfahrzeug hat mindestens einen VOR-Empfänger und jeder Luftfahrzeugführer ist in der Navigation mit diesen ausgebildet. Ein DVOR („Doppler VOR“), wie in Albersloh, kann ein sehr genaues Richtungssignal aussenden (Abweichung unter 1°). Die Reichweite eines VOR liegt bei ungefähr 100NM, also ca. 150km.

VORs werden von Luftfahrzeugen als Bezugspunkte zur Navigation, mittels Kreuzpeilung zur Ortsfestellung bzw. zur Ausbildung von Luftfahrstraßen / Anflugkorridoren genutzt. Grundsätzlich können diese Aufgaben heute auch von GPS („Global Positionning System“) erfüllt werden, welches aus dem Autonavigation bekannt ist und dreidimensionale Standortermittlungen erlaubt. Leider ist das GPS nicht unter Kontrolle einer globalen Verwaltung, sondern ein ursprünglich militärisches System der USA, welche die notwendigen Satelliten kontrollieren. Mindestens aus diesem Grund ist es notwendig ein funktionierendes VOR-System vom Bodenstationen zu erhalten.

Schutzabstände

Da VOR immer noch einen bedeutenden Wert für die Luftfahrt darstellen, wurde 2009 von der ICAO (Internationale Zivilluftfahrtorganisation) ein 15km-Radius als Schutzbereiche der Anlagen festgelegt (vgl. §14 I LuftVG). In diesem Bereich bedarf es der gutachterlichen Stellungnahme durch die Deutsche Flugsicherung (DFS für den zivilen Bereich) und für den militärischen Bereich durch das zuständige Bundesamt. Hierbei sind Standort, Höhe und Menge der Windkraftanlagen zur Beurteilung maßgeblich und die daraus kalkulierten Abweichungen des ausgesendeten Richtungssignals („Deviation“) – geprüft wird jede Anlage individuell.

Mein Kommentar

Dass der Investor Oliver Keßler nach der ablehnenden Entscheidung der DFS grollt, ist verständlich. Seine Firma WI WindInvest GmbH und die Gemeindeverwaltung Ascheberg haben schließlich in einem innigen Kanon die Planungen gegen alle Widerstände im Rat und in der Gemeinde vorangetrieben mit dem erklärten Ziel, die Baugenehmigung am 31.12.2016 in trockenen Tüchern zu haben.

Alles für die Umwelt? Bezeichnend und verräterisch ist, dass bereits im Namen der Firma das kleine Wort „Invest“ enthalten ist – nicht „Natur“ oder „Ökologie“. Aus dem fernen Billerbeck ist es einfach zu planen, zu investieren und zu projektieren – man muss mit den Konsequenzen nicht leben – sieht nicht jeden Morgen vor sich aufbäumende Windkraftanlagen. Warum allerdings die Gemeindeverwaltung von Ascheberg mitplant bei der de facto Zerstörung der eigenen Heimat, kann ich mir nicht erklären.

Selbst, wenn die industriellen Windkraftanlagen nur für eine gewisse Zeit verhindert werden können, sollten die „Über-Andere-Entscheider“ von Investmentfirma und Gemeinde diese Zeit nutzen, ihr Büro verlassen und sich die Natur mal ansehen, die sie zu zerstören planen.

 

Leserbrief: Windenergie in Herbern

Leserbrief: Windenergie in Herbern

Leserbrief zum Thema „Windenergie in Herbern“

Der Rat hat am 14.09.2016 die 74. Flächennutzungsplanänderung zur Ausweisung von Windenergiekonzentrationszonen beschlossen. Doch die politische Diskussion geht weiter, besonders in Herbern, wo ein auswärtiger Investor, die „Windpark Ascheberg GmbH & Co. KG“, mit Unterstützung der Gemeinde vier Windenergieanlagen (2 x 230 m Höhe und 2 x 200 m Höhe) errichten will. Entscheidende Fragen sind bis heute unbeantwortet. Die Gemeindeverwaltung vertritt nahezu gebetsmühlenartig die Auffassung, der bisherige Flächennutzungsplan, der die Errichtung von Windenergieanlagen auf zwei Zonen beschränkt und zugleich eine Höhenbeschränkung auf 100 Meter enthält, sei unwirksam, daher sei die 74. Änderung unabdingbar, um eine wilde Verspargelung des Gemeindegebietes zu verhindern.

Spätestens seit Februar 2016 wird allerdings in der Fachöffentlichkeit aufgrund einer gut besuchten Vortragsveranstaltung der Anwaltskanzlei Wolter Hoppenberg, die auch die Gemeinde Ascheberg seit Jahren in Sachen „Wind“ berät, die Frage diskutiert, ob alte Pläne trotz bestehender Mängel aufgrund von Heilungsvorschriften im Baugesetzbuch gleichwohl unanfechtbar und damit wirksam sind. Es stellen sich folgende Fragen:

  1.  Seit wann wusste die Gemeindeverwaltung von dieser Fachdiskussion, und wann wurde der Gemeinderat erstmals hierüber informiert ?
  2. Warum durfte die Kanzlei Wolter Hoppenberg Anfang September kein Rechtsgutachten zu dieser Frage erstatten, warum wurde von der Gemeinde stattdessen eine – gelinde gesagt – „windenergiefreundliche“ Anwaltskanzlei aus Bremen beauftragt ?
  3. Wie kam der Kontakt zu dieser Bremer Kanzlei zustande ?
  4. Steht die Bremer Kanzlei in irgendeiner Verbindung zur „Windpark Ascheberg GmbH & Co. KG“ oder deren unmittelbaren oder mittelbaren Gesellschaftern, insbesondere einer undurchsichtigen dänischen Gesellschaft namens „Hasdrubal Capital ApS“ ?

Fragen über Fragen, aber keine Antworten !

 

Leserbrief von Thomas Franzke aus Herbern

Windkraft – cui bono?

Windkraft – cui bono?

Der folgende Text wurde von mir verfasst und (in leider gekürzter Form) als Leserbrief in den Ruhr-Nachrichten für Ascheberg vom 06.08.2016 veröffentlich:

Wem nützt die Windkraft, wie sie von unserer Gemeindevertretung herbeigesehnt wird? Den Anwohnern mit Sicherheit nicht, die dauerhaft durch Emissionen im hörbaren und im potentiell gesundheitsgefährdenden Infraschall-Bereich sowie durch vorgeschrieben-hinnehmbare Belästigungen, wie Schattenwurf, belästigt werden.

10 Fernsehtürme in der Nachbarschaft?

Vielleicht machen sich ja auch viele kein Bild von dem, was dort auf unserem Gemeindegebiet gebaut werden soll: Mit der heilen, ökologisch-korrekten Welt von ruhig im Wind drehenden Windmühlen hat das wenig zu tun. Es sind industrielle Windkraftanlagen mit einer Höhe von 200m – diese abstrakte Zahl wird deutlicher, wenn man einen Vergleich mit dem Dortmunder Fernsehturm macht. Dieser Riese hat -bis auf wenige Meter- die gleiche Höhe. Die Kirchen in unserem Gemeindegebiet zum Beispiel müsste man schon drei oder vier Mal übereinanderstapeln, um auf die Höhe dieser Windriesen zu kommen.

Vor diesem Bild ist es nahezu lächerlich und zynisch, einen Abstand von 450m zur Wohnbebauung als ausreichend anzunehmen. Stellen Sie sich einfach mal in dieser Entfernung zum Fernsehturm auf. Stellen Sie sich dann vor, dass Sie, Ihre Kinder, Ihr Haus von bis zu 10 dieser lauten Riesen umrahmt sind. Eine schöne, ökologisch korrekte Vorstellung für Sie? Warum gibt es einen Mindestabstand von mindestens 2000m zur Wohnbebauung in anderen (Bundes-)Ländern? Warum gibt die WHO, als weltmedizinische Instanz, die gleiche Empfehlung? Wieso ist unserer Gemeinde und unserem Bundesland diese Tatsache egal?

Natürlich muss Energie erzeugt werden – aber dort, wo es Sinn macht! Wo der Wind die notwendige Stärke hat, wo nicht eine dezentrale Wohnbebauung über Jahrhunderte gewachsen ist, wo keine Anwohner in ihrer Gesundheit massiv gefährdet werden. Dort, wo sich die Anlagen auch wirtschaftlich selbständig tragen können und nicht durch subventionsähnliche Zuschüsse von der Allgemeinheit finanziert.

Also: Cui bono?

Wem nützt die Windkraft? Mit Sicherheit nur Wenigen – den Grundbesitzern, der industriellen Windindustrie, der Gemeinde. Vielen Anwohnern und Mitbürgern in Ascheberg und Herbern wird aber die Umwelt, wie sie sie kennen auf lange Sicht zerstört – und ebenso wird die lokale Fauna leiden. Das Geld scheint hierbei an erster Stelle zu stehen – nicht altruistische oder ökologische Gründe.